×

Fehler

[sigplus] Kritischer Fehler: Es ist zwingend erforderlich, daß der Bildordner im relativen Pfad in Bezug zum Stammordner für Bilder liegt.

[sigplus] Kritischer Fehler: Es ist zwingend erforderlich, daß der Bildordner im relativen Pfad in Bezug zum Stammordner für Bilder liegt.

Paderborn, 26.09.10 19:00 Uhr.

Eine wundervolle Jugend DM ist zu Ende gegangen....aber über der Siegerehrung lag eine seltsam gedrückte Stimmung.

Dies lag mit Sicherheit nicht an dem Ausrichter. Ein hervorragend organisiertes Turnier, optimale Platzverhältnisse, tolle Gäste, für Paderborner Verhältnisse traumhaftes Wetter mit einem Finaltag unter strahlendem Sonnenschein (auch wenn die Wettervorhersage für beide Tage nur Regen vorgesehen hatte). Alles in allem also hervorragende Bedingungen für ein Jugend DM.

Warum dann diese Stimmung, die bei der Siegerehrung über den Final Four lag?

Da waren zum einen die Mannheim Tornados:

Als Turnierfavorit neben Bonn und Mainz und gestartet, hatten sie schon Schwierigkeiten, sich in der Vorrunde durchzusetzten. Einem leichten 15-0 Sieg folgte dann ein knapper und in einigen Phasen des Spiels sehr kontroverser und glücklicher Sieg gegen die HSV Stealers. Nach überstandener Vorrunde war Glücksgöttin Fortuna vermeintlich auf der Seite der Tornados. Der Headcoach der Tornados "gewann" bei der Auslosung nicht nur Platz 1 und hatte Heimrecht, er zog mit Haar Disciples den Zwischenrundensieger als Gegner und hatte damit, so waren sich alle Beobachter einig, die Endspielteilnahme sicher.

Das die schlagstarken Haar Disciples nach einer anstrengenden und kräftezehrenden Zwischenrunde mit 2 Spielen am Sonntagvormittag im Halbfinale die Mannheim Tornados mit 11-7 besiegten, damit hat keiner gerechnet...am wenigsten die Tornados selber, die sich durch viele individuelle Fehler diese Niederlage selbst zuzuschreiben hatten. Das die Tornados das Spiel um Platz drei mit 8-1 verloren, war eigentlich nur noch Nebensache. Entsprechend groß war die Enttäuschung bei der Siegerehrung.

Da waren zum anderen die Mainz Athletics.

Sie waren die Verlierer der Auslosung. Auf Platz 2 gegen die Bonn Capitals...und auch noch Gastmannschaft. Gerade Letzteres sollte sich als entscheidender Punkt herausstellen. Nach einem finalwürdigen Spiel stand es nach Ablauf der Zeitbegrenzung und 5 gespielten Innings 3-3. Es mussten also Extra Innings her...und davon gleich zwei. Die Capitals gewannen durch einen Walk off Line Drive von Rufio Schulz im 7. Inning mit 4-3.

 

Vorbei war die Chance auf das Finale und vorbei war die Chance, gegen einen mehr als geschwächten Gegner Haar Disciples locker Deutscher Meister zu werden. So blieb "nur" der undankbare 3. Platz durch ein 8-1 Sieg gegen die Mannheim Tornados.

Entsprechend groß war die Enttäuschung bei der Siegerehrung.

Die Haar Disciples:

Nach einem Sieg gegen die Hünstetten Storm und einer Niederlage gegen die Mainz Athletics hatte man sich als Gruppenzweiter für die Zwischenrunde qualifiziert, die am Sonntag morgen um 08:15 mit dem Spiel gegen die HSV Stealers begann. Nach einem 9-3 Sieg kam es dann zum Showdown gegen die Paderborn Untouchables. In einem tollen Spiel über 5 Innings setzten sich die Haarer mit 9-6 durch und qualifizierten sich für das Halbfinale gegen die Mannheim Tornados. Dort schafften sie die Sensation, setzten sich mit 11-7 gegen den hohen Favoriten durch und schafften so den Sprung ins Finale.

Und dann kam der Albtraum........

Die Bonn Capitals

In der laufenden NRW Saison setzten sich die Caps souverän mit 12-0 Siegen, darunter auch drei Siege gegen die Paderborn Untouchables, durch. Als großer Gruppenfavorit hatten die Caps gegen ihre Gegner Berlin Challengers und die Paderborn Untouchables nur einen kleinen Durchhänger im ersten Spiel zu verzeichnen, konnten aber beide Spiele mit 9-2 und 7-1 für sich entscheiden.

Das Halbfinale gegen die Mainz Athletics war ein Krimi, Baseball auf höchstem Jugend Niveau, insgesamt 6 Nationalspieler auf beiden Seiten, tolle Defense, sehr gutes Pitching, Clutch Hits...eigentlich alles, was man sich nur wünschen konnte...mit dem glücklicheren Ende für die Capitals.

Und dann kam der Albtraum....

Rewind, Paderborn, 26.09.10 07:45 Uhr

Die Haar Disciples bereiten sich auf das erste Zwischenrundenspiel gegen die HSV Stealers vor. Der Coach motiviert seine Jungs. "Only three games to the final...and four wins to be german champion". Ich stand daneben und traute meinen Ohren nicht. Das waren keine witzig gemeinten Durchhalteparolen. Man merkte dem Coach an, daß er es tatsächlich ernst meinte.

Aber wie sollte das funktionieren? Kein Jugendteam hat in der Regel bei einem solchen Turnier genügend Pitcher, um sechs Spiele in zwei Tagen zu bestreiten. Diese Tatsache völlig ignorierend, begannen die Haarer ihre Zwischenrunde.

Motiviert und vor allem schlagstark gingen sie das Spiel gegen die Stealers an...und gewannen ungefährdet mit 9-3. Das anschließende Spiel gegen die gastgebenden U´s wurde da schon knapper. Vor begeistert mitgehenden Zuschauern setzten sich die Bayern in einem engen und vor allem spannenden Spiel mit 9-6 durch.

Das sie anschließend das Halbfinale gegen den hohen Favoriten Mannheim Tornados gewannen, war eine Energieleistung, die höchste Anerkennung verdient.

Das Finale

Die Capitals gingen erwartet mit 1-0 in Führung, aber die Disciples zeigten, daß sie nicht durch Zufall im Finale standen. Im ersten Inning demonstrierten sie ihre Schlag- und Nervenstärke. Trotz zwei schnellen Aus konnten sie mit harten Schlägen noch vier Runs erzielen...und einigen Zuschauern klappte vor Erstaunen die Kinnlade runter.

Dann kam das zweite Inning...und hier kündigte sich die nahende Katastrophe an. Der erste Bonner erreichte nach einem dropped third strike die zweite Base....weil der Catcher der Haarer kaum mehr aus den Knien kam...und den Ball dann fast ins Outfield warf. Walks, Hits wechselten sich munter ab...die Capitals holten unter dem Jubel der Bonner und Paderborner Zuschauer auf, der Ausgleich im 2. Inning zum 4-4 wurde noch gefeiert.
Was bis dahin aussah wie eine Aufholjagd, die durch die Stärke der Bonner begründet war, zeigte sich schnell als Zusammenbruch der Haarer.... denn erst im Nachhinein setzten sich verschiedene Anzeichen wie ein Puzzle zusammen.

Nachdem Bonn ausglich, wurde der Pitcher gewechselt: von 1B zu Pitcher und nach ein paar Battern wieder zurück.

Plötzlich nahm der Coach der Haarer im zweiten Inning eine Auszeit. Zuerst diskutierte er mit dem Homeplate Umpire, dann drehte er sich völlig unerwartet um und rief einige unverständlich Sätze ins Publikum. Einen Satz aber haben alle verstanden: "It´s the 6th game in two days for my kids" Von allen zuerst als grotesker Auftritt belächelt, bekam dieser schnell einen traurigen und somit sehr emotionalen Gehalt.

Rückwirkend betrachtet war dieser Ausbruch des Coaches ein verzweifelter Versuch, sich vor den Zuschauern für das kommende zu rechtfertigen. Der Coach hatte zu diesem Zeitpunkt schon etwas gesehen, was kurz danach Realität wurde....das Spiel war, obwohl es erst 6-4 für Bonn stand, zu Ende.

Im dritten Inning nahm die Katastrophe ihren Lauf.....Walks, Wild Pitches, die meterweit am Catcher vorbeiflogen, weitere Walks, HBP, Wild Pitches...dazwischen eingestreut ein paar Hits auf die seltenen Strikes....ein Catcher, der in seinem sechsten Spiel nicht mehr in der Lage war, sich zu bewegen...ein neuer Pitcher, der den Eindruck machte, als ob er zum ersten Mal auf dem Mound stand...all das hatte nicht mehr viel mit Baseball zu tun.

Die Haar Disciples waren fertig...vor allem körperlich. Als der Catcher der Haar Disciples irgendwann mal ausgewechselt wurde, bekam er von allen Zuschauern (und auch Spielern) standing Ovations...jeder auf den Rängen und auch auf dem Platz zollte den Haar Disciples Hochachtung für die bis dahin erbrachte Leistung.

Und die Bonn Capitals Spieler? Sie standen teilweise da wie begossene Pudel.....unsicher, wie sie auf den Zusammenbruch der Haarer reagieren sollten.

Die Coaches der Bonner befanden sich in einer Zwickmühle...zumal die Capitals als Gastmannschaft immer vorlegen konnten. Sollten sie das Spiel normal beenden? Normal schlagen und sich Walks abholen? Oder etwa absichtlich daneben schwingen und freiwillig Strikeout gehen? Die Frage, wie man ein solches Spiel beendet, ohne den Gegner zu demütigen, wird wohl immer unbeantwortet bleiben.

Im letzten Inning versuchte man es mit einem Kompromiss (wenn es denn in dieser Situation überhaupt einen Ausweg gibt): Man ließ bunten...möglichst zum Pitcher, um ein Aus zu provozieren. Aber auch diese Lösung ging daneben. Zum einen führten die Buntversuche zu unfreiwilligen Hits, weil die Defense der Haarer aufgrund fehlender Kraft überhaupt nicht mehr existent war, zum anderen erweckten die Versuche, das Spiel auf diese Weise zu beenden, den Unmut bei den Besuchern/Coaches. "Spielt dieses Spiel vernünftig".

Es war einfach bitter, mit anzusehen zu müssen, wie eine Mannschaft, die bis dahin so großartig gekämpft hat, dem schwachsinnigen Modus der Zwischenrunde Tribut zollen musste und völlig zusammenbrach.

Es war bitter, mit anzusehen zu müssen, wie die Haarer Jungs auf dem Platz darunter litten...zuzusehen, wie die Bonner ihnen davonliefen, ohne dass sie folgen konnten

Es war bitter mit anzusehen zu müssen, dass die Bonner sich nach dem letzten, quälenden Aus fast zwingen mussten, über die gewonnen Meisterschaft zu jubeln.

Es war bitter mit anzusehen zu müssen, wie die Bonner um ihren verdienten Lohn gebracht wurden...die bedingungslose Anerkennung einer sehr guten Leistung mit dem deutschen Meistertitel als Krönung.

Und deshalb war die Stimmung bei der Zeremonie bedrückt. Platz drei und vier ob der verpassten Chancen, Platz zwei und eins ob eines Finales, das keins war...

Die Auswirkungen einer Zwischenrunde wurde allen Beteiligten, sowohl Zuschauern, Trainern und Spieler in all ihrer Schwachsinnigkeit noch nie so deutlich vor Augen geführt.

Einige werden diesen Meistertitel mit einem Makel belegen wollen, nach dem Motto: "Ihr seid ja nur Meister geworden, weil die Haarer platt waren." Aber dem kann man mit Fug und Recht entgegen halten:

Bonn ist Meister geworden, weil sie die Vorrunde gewonnen haben. Bonn ist Meister geworden, weil sie das Halbfinale gewonnen haben. Bonn ist Meister geworden, weil sie das Finale gewonnen haben....also dürfen sie sich zu Recht Deutscher Meister nennen.

{gallery}/boxscore/baseball/jugenddm2010/pics, single=image001.jpg, single_gallery=1{/gallery}