Es müssen nicht immer Monsterkonzerte sein...es sind die Kleinode der Konzertlandschaft, die einem einen unvergeßlichen Abend bereiten können.

Am 17.11. war einer meiner Lieblingssänger meiner Jugend in Bensheim: Albert Hammond, eine lebende Legende.

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Seit 40 Jahre ist der Mann im Musikgeschäft als Songwriter, Sänger und Entertainer tätig. Aus seiner Feder stammem Welthits wie “The Air that I breathe” (Hollies), “99 Miles from LA” (Art Garfunkel), “One Moment in Time” (Whitney Houston), “When I need you” (Leo Sayer), “Nothing’s Gonna Stop us now” (Starship), “I don’t wanna lose you and Way of the World” (Tina Turner) und und vieles mehr.

Pünktlich auf die Minute kommt Albert Hammond um 20:30 Uhr auf die recht spärliche Bühne im proppevollen Rex Theater in Bensheim. Ohne viel Firlefanz und mit einem knappen: „O.K. Let´s have some fun“ als Begrüßung ging es direkt mit „Everything I want to do“ und „Down by the River“, einem der ersten Songs gegen Umweltverschmutzung aus den 1970er Jahren zurück in die eigene Jugend.

Im Laufe des Abends gab es so viele Songs zu hören, von denen man eigentlich gar nicht wusste, dass Albert seine Finger im Spiel hatte. Zu jedem hatte er eine kleine Geschichte zu erzählen und so erfuhr man von Johnny Cash, für den Albert Hammond einen Song schrieb und bei dem er sich in Nashville aufhielt. Angeblich konnte Johnny Cash nur Chili Con Carne kochen und das sieben Tage lang, mit der Folge immensen Sodbrennens.

Es erfolgte eine Exkursion durch die Musikgeschichte, es ging zurück in die Sixties mit der Vorstellung vieler Songs, die Albert gemeinsam mit anderen Musikern geschrieben hatte. Und man konnte erstaunt sein, wie viele weitere Songs (neben denen, von denen man es bereits wusste), aus seiner Feder stammten. Da gab es dann eine Zeitreise hin zu Leapy Lee ("Little Arrows"), Joe Dolan ("Make Me An Island") oder auch dem leicht verrückten "Gimme Dat Ding" von The Pipkins.

hammond3Während des ganzen Konzertes merkte Albert Hammond an, daß live spielen eine große Leidenschaft von ihm geworden ist. Zweieinhalb Stunden (ohne Verschnaufpause für sich und sein Publikum) auf der Bühne zu stehen ist für einen 71 jährigen schon eine unglaubliche Leistung. Der Mann spielt, singt und erzählt aus seinem Leben – aber von Erschöpfung keine Spur. Ganz im Gegenteil. Die Geschichten und Songs sprudeln, als gäbe es kein Morgen. Während des Konzerts war man erstaunt und überwältigt über diese Flut von Songs, die alle einen Ohrwurmcharakter haben.

Zwischendurch stieg er von der Bühne herab, schritt das Spalier der vielen begeisterten Fans ab und riss mit dem Diana-Ross-Hit „When You Tell Me that You Love Me“ auch den letzten alten Sack vom Stuhl.

Da stand ein Mann auf der Bühne, der Musikgeschichte mitgeschrieben hatte und verhielt sich ganz natürlich - ohne Starallüren, ohne eine Spur Arroganz oder Überheblichkeit.

Als zum Schluß auch noch die Hammond Hits wie „I’m a Train“, die legendäre „Free Electric Band“, „The Air that I breathe“ und „It never rains in Southern California“ gespielt wurden, war der Abend perfekt.

Großes, überragendes Kino im kleinen Rahmen.