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Hier ein sehr guter Zeitungsartikel, der eigentlich alles beschreibt:

Meat Loaf in der Arena Oberhausen: Am Ende, als ihn das Publikum frenetisch feiert, fehlen Marvin Lee Aday die Worte, und er teilt in Zeichensprache mit, dass er die jubelnden Menschen im Saal ins Herz geschlossen hat.

Dann geht er ab, schwer atmend, nass geschwitzt, fertig mit der Welt, aber glücklich. Unter seinem Kampfnamen „Meat Loaf“ hat er sich über Jahrzehnte mit bedingungsloser Hingabe und sagenumwobenen Konzerten diese Zuneigung erarbeitet. Nun, mit 65, geht er auf seine Abschiedstournee. In der nicht ganz ausverkauften Arena Oberhausen holt er sich nun den Lohn für die Plackerei ab und belohnt seine Fans – wie immer – mit einer Show, in der er an seine Grenzen geht.

Ohne Rücksicht auf seinen Körper oder die Stimme wirft sich Meat Loaf in seine Mini-Opern, in denen es ihm tatsächlich gelingt, so viel Theatralik, Melodrama und Pathos unterzubringen, dass die Lieder fast platzen. Dass sie es nicht tun und er nie zur Witzfigur verkommt, ist das eigentliche Kunststück des Texaners. Die oft gebrauchte Metapher des Richard Wagner der Rockmusik ist dabei keineswegs verkehrt. Entweder man taucht in den audiovisuellen Overkill des Mannes ein, oder man ergreift die Flucht. Dazwischen gibt es nichts.

Ganz so viele Oktaven wie zu Glanzzeiten kann Meat Loaf nicht mehr schaffen, aber die Stimme geht immer noch durch Mark und Bein. Besonders bei den Nummern seines legendären Albums „Bat Out Of Hell“, die er erstmals vollständig live spielt. Am Stück ist das wirklich eine Art Pop-Art-Oper mit viel Herzschmerz, Leid und Tod. Ob es dafür aufblasbare Gummifiguren und die Videoeinspielungen mit Erläuterungen zu den einzelnen Liedern gebraucht hätte, ist fraglich, aber sei’s drum: Spätestens als Meat Loaf „For Crying Out Loud“ schluchzt, ist es um die Fans geschehen. Und Meat Loaf weint, überwältigt von den Worten, die er singt. Großes Theater, wunderbar.